Stellungnahme des Gängeviertels

Du bist auf dem Weg nach Hause, es ist spät, und es ist dunkel. Ein Uniformierter stellt sich Dir in den Weg. „Kann ich mal sehen“, sagt er und greift nach Deinem Rucksack. Du sagst: „Nein, können sie nicht. Um was geht es denn?“ Der Uniformierte hält Deinen Rucksack fest und Dich auch. „Was liegt gegen mich vor, lass mich los, wer bist denn Du?“ Du bist erschreckt und aufgeregt. Ein Wort gibt das andere, ein Gerangel, inzwischen ist ein zweiter Uniformträger da. Wenig später bist Du im Polizeigriff, Dein Rucksack offen und Dein Ausweis in deren Händen. Sie schreiben, und einer schaut hoch: „Ich erteile ihnen einen Platzverweis bis morgen Nachmittag.“ „Aber ehh, aber… ich wohne hier.“ „Verlassen Sie das Gebiet, sonst werden wir sie festsetzen.“

Gefahrengebiet heißt das offiziell. Bereits mehrfach im Zusammenhang mit dem Schanzenfest ausprobiert, steht seit dem 1. Juni das ganze Schanzenviertel unter Generalverdacht und unter polizeistaatlicher Kontrolle. Obwohl sogar der Leiter der Polizeiwache 16 im Schanzenviertel anlässlich des ersten runden Tisches erklärt hatte, dass sich der Verkauf von Drogen im Florapark unter keinen Umständen „militärisch“ unterbinden ließe. Und selbst wenn, würde er nur zwei Straßen weiter verschoben. Das Gefahrengebiet richtet sich also kaum gegen die Drogenszene, sondern gegen einen unbequemen Stadtteil, der sich gegen die Übernahme durch Spekulanten wehrt, die es gerne etwas stressfreier hätten. Die Vertreibung auf der Straße hat etwas zu tun mit der Vertreibung aus den Wohnungen und umgekehrt.

Ausgehandelt wurde die Maßnahme am „Runden Tisch“ unter Moderation von Martin Brinkmann, Geschäftsführers der STEG – Stadtentwicklungsgesellschaft mbH. Sie ist Teil der so genannten „Rückeroberung des öffentlichen Raums“, der sich die Runde verschrieben hat (vgl. diesen taz-Artikel, „Polizeirecht in der Schanze“).

STEG? „Rückeroberung des öffentlichen Raums“? Mit beidem kennen wir uns im Gängeviertel bestens aus. Die kulturelle Aneignung des Viertels vor dreieinhalb Jahren war schließlich die Rückeroberung eines ganz besonderen Stücks des öffentlichen Raums in Hamburg. In dessen Folge ist das Gängeviertel nicht nur zu einem Symbol des Aufbegehrens gegen eine einseitig investorenorientierte Stadtentwicklungspolitik, gegen Gentrifizierung, für Freiräume und Selbstbestimmung geworden, sondern es wurde auch die Sanierung der Häuser erkämpft. In diesem Zuge hat die Stadt Hamburg die STEG als Sanierungsträgerin eingesetzt.

Womöglich blüht dem Gängeviertel irgendwann daher das gleiche wie dem Schanzenviertel derzeit – eine vermeintliche „Rückeroberung des öffentlichen Raums“, die das genaue Gegenteil ist: Die Vertreibung von Menschen aus dem selbigen. Damit würde genau das rückgängig gemacht, was wir im Gängeviertel erkämpft haben: einen selbstverwalteten Freiraum der allen offen steht, die sich einbringen oder ihn solidarisch nutzen möchten. Damit das Gängeviertel ein Ort für alle bleibt haben wir die Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG gegründet. Es gibt allerdings noch viel zu tun, und wir brauchen weiter die Unterstützung von Hamburgerinnen und Hamburgern durch das Zeichnen von Genossenschaftsanteilen.

Der einzige Weg ist: sich nicht vertreiben zu lassen, sich den öffentlichen Raum zurück zu erobern – und zwar von unten!

Gegen polizeiliche Gefahrengebiete!

Für selbstbestimmte Freiräume!

Gängeviertel, Juni 2013

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#gefahrengebiet aktuell

Seit dem 4. Januar ist das Schanzenviertel wieder gefährlich. Diesmal sind aber auch Altona Nord und Altstadt und St. Pauli mit von der Partie.

Wir werden versuchen auch in den kommenden Tagen hier wieder über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten, auch um auf anstehende Aktionen usw. hinzuweisen. Denn eines ist klar: Das Gefahrengebiet muss weg. Gegen alle Gefahrengebiete!

In der Zwischenzeit raten wir zu folgenden Seiten:

EA Hamburg sowie zu

Lokal- und Politikblogs

Demo, Besetzung und Flüchtlingsgipfel

gegenkontrollen

Demo gegen Polizeiwillkür und rassistische Kontrollen, Solidaritätsbesetzung und internationaler Flüchtlingsgipfel. Ein Bericht von florableibt zu den Ereignissen am Samstag: Details »

Gefahrengebiet? „Aufgehoben.“

„Das ist immer eine zeitlich begrenzte Maßnahme“, sagt ein Polizeisprecher laut taz.de

Nicht nur das Gefahrengebiet im Schanzenviertel muss weg. Gegen alle Gefahrengebiete! Kommt zur VV am 23.10. in die Flora und zur Demo am Samstag, 26.10.2013!

8. Vollversammlung zu Gefahrengebieten

Am Mittwoch, den 23.10. um 19 Uhr findet wieder eine Vollversammlung zum Thema Gefahrengebiete in der Roten Flora statt. Alle Menschen, die sich schon mit dem Thema befassen oder befassen wollen, sind herzlich eingeladen, zu kommen! Es gibt neue Infos zum aktuellen Stand und der anstehenden Demo. Bringt Bastelmaterial mit – im Anschluss an die Besprechungen wird Demomaterial gebaut.

Upcoming protests

upcomin

26.10. Demo „Still not <3′ing Gefahrengebiet. Gegen Polizeiwillkür und rassistische Kontrollen“ (Info)

02.11. Demo „Anerkennung der Gruppe ‚Lampedusa in Hamburg‘ jetzt!“ (Info | fb-event)

21.12. Demo „Selbstorganisierung statt Repression! Refugee-Bleiberecht, Esso-Häuser & Rote Flora durchsetzen!“ (Info)

jeden Mittwoch „Wöchentliche Demo – Wir bleiben hier!“ (Info)

to be continued!

Shame on you Mayor Scholz and on the Goverment of Hamburg

Gestrige Spontandemo von ‚Lampedusa in Hamburg‘ und Unterstützer_Innen gegen die rassistischen Großkontrollen in St. Georg und St. Pauli. Ein Kurzbericht von der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen Hamburg Details »

26-10-2013 Demo gegen Polizeiwillkür und rassistische Kontrollen

demo

 26.10., 13 Uhr, Rote Flora:
Still not <3’ing Gefahrengebiet.
DEMO gegen Polizeiwillkür und rassistische Kontrollen! Details »

Einladung zur 7. Vollversammlung gegen Gefahrengebiete

logo200

Am Mittwoch, den 9.10. um 19 Uhr findet wieder eine Vollversammlung zum Thema Gefahrengebiete in der Roten Flora statt. Alle Menschen, die sich schon mit dem Thema befassen oder befassen wollen, sind herzlich eingeladen, zu kommen!

Still not ♥’ing Gefahrengebiet – Einladung zur 6. Vollversammlung

flora

Am Mittwoch, den 25.9. um 19 Uhr findet wieder eine Vollversammlung zum Thema Gefahrengebiete statt – in der Roten Flora (Achidi-John-Platz 1). Details »

Bericht: Aktionstag im Schanzenviertel

[Bericht von Indymedia]:

Am 14.09. fand im Hamburger Schanzenviertel ein nicht angemeldeter Aktionstag und unkommerzieller Anwohner_innen-Flohmarkt gegen Gentrifizierung und Gefahrengebiete statt. Details »

Umzug gegen Gefahrengebiete

Unangemeldeter Umzug gegen Gefahrengebiete und rassistische Kontrollen durchs Schanzenviertel (HH)

Heute, am 13.09.2013, zogen ungefähr 60 Menschen lautstark und vermummt durch Hamburgs neuestes Gefahrengebiet, das Schanzenviertel. Details »

Polizei außer Kontrolle

danke an urbanshit.de für dieses Foto.

Gegen Gentrifizierung und Gefahrengebiete

Gentrifizierung, Gefahrengebiete, Repression und Überwachung. Viele gute Gründe für Protest. Gefahrengebiet kippen!

Kommt zum Anwohner_innenflohmarkt, informiert euch und macht Aktionen!

Come as you are – Gefahrengebiet goes Pöseldorf

Details »

Einladung zur vierten Vollversammlung gegen Gefahrengebiete

flora

am Mittwoch, den 31. Juli, um 20h in der Roten Flora.

Seit Anfang Juni besteht ein dauerhaftes Gefahrengebiet im Schanzenviertel. Die Vollversammlungen hatten die letzten Male im zweiwochentakt stattgefunden. Es sollen auch diesen Mittwoch bestehende und kommende Ideen vertieft, weiterentwickelt und umgesetzt werden.